Ein Hauch von Parfüm

Wertes Auditorium,

die Bühnenabstinenzbeendigungsankündigung der Herren hielt auch mich dieser Tage beschäftigt – jedoch, wie Sie sehen: die Herren werden wiederkehren!

Darüber will ich meine Pflichten jedoch nicht vernachlässigen: Auch die waghalsige Unternehmung der coppelianischen Wende will weitergeführt werden, denn auch sie wird mit der Rückkehr der Herren triumphal enden, soviel sei verraten…

Heute fand ich endlich Muße, mich der Korrespondenz Graf Lindorfs wieder anzunehmen – ein zarter Hauch von Parfüm verriet sogleich, dass der Graf auch Post von Damen erhält! Zwar ist auch dieses Schreiben anonym, doch trotz des Parfüms gottlob äußerst sittsam.

Respektvollst,

Bastille

„Mon chéri,

tausend Dank, dass Du mich in meiner Welt besuchtest! Ich verstehe zwar nicht ansatzweise, wie Dir das gelang, aber der Horizont einer erdachten Figur ist nun einmal begrenzt. Oh, wie sehr hast Du meine Welt geöffnet, und wie bedrückend empfinde ich ihre Enge, da Du nun wieder fort bist. Diese ständigen Intrigen um Macht und Ehre, hier Kirche, da König, und die ermüdend immergleichen Wendungen – da ein Giftfläschchen, dort ein kompromittierendes Brieflein, der reitende Bote in finsterster Nacht, wie ödet mich das alles an! Und die Männer mit ihrem ständigen Degengefuchtel und ihrer falschen Höflichkeit – Ihr habt den ersten Stich, mein Herr, aber nein doch, nach Euch.

Waffen kleiner Kinder sind`s, die dünnen Spitzlein, und – heißen wir nicht sogar nach größeren Waffen, n-est ce pas? Wie sehr habe ich mich hier stets nach einer ordentlichen Muskete gesehnt, bevor Du kamst! Und jenes Blümlein, einer Jugendsünde zu verdanken, das ich stets im Dunkel lassen musste – Du schätztest es, Du liebtest mich gar dafür! ,Ein Schönheitsorden ist`s, kein Schandmal‘ – ach, Lindi, wie sehr Du auch mit Worten zu Schmeicheln vermagst! Die Blume rötet sich, wenn ich nur an Euch denke… doch muss ich schließen, seine Eminenz schickt mich nach England in geheimer Mission. Ich langweile mich jetzt schon.

Besucht mich recht bald wieder, mon petite mousquet!“

Lady de Winter