Türkische Sonette

Wertes Auditorium,

die heutige Nachricht ist, wie Sie sehen, nicht nur ein schnöder Zeitungsausschnitt, sondern größtenteils poetischer Natur – der Urheber bleibt leider auf Anordnung der Behörden im Dunkeln (und wer würde sich erlauben, der Obrigkeit zu widersprechen!). Vermutungen anzustellen wird aber erlaubt bleiben. Öffnen Sie also heute – bitte nur im übertragenen Sinne – ihr Herz der Dichtkunst!

Respektvollst,

Bastille

 

„Getürkte Rätsel aus Übersee

Philadelphia, USA: Mr. R. Eveal aus dem Kuratorium des renommierten ,Charles Willson Peale`s Museum‘, der ersten naturgeschichtlichen Sammlung der Vereinigten Staaten, gelangen gleich zwei spektakuläre Wiederentdeckungen zugleich: In einer verwinkelten Ecke des musealen Archivs fand sich Wolfgang von Kempelens ,Schachtürke‘ wieder, der offenbar nicht wie bislang angenommen dem Brand von 1854 zum Opfer fiel. Die 1769 in Gang gesetzte Apparatur, Vorläufer moderner Spielautomaten wie auch Computer, erregte zu ihrer Zeit großes Aufsehen in Europa; immerhin gelang es dem ,Türken‘ als einzigem, sowohl Friedrich den Großen als auch Napoleon zu besiegen. Doch damit nicht genug; Eveal untersuchte seinen Fund genauer und fand Erstaunliches heraus. Schon Zeitgenossen gingen davon aus, dass sich im ,Türken‘ ein kleinwüchsiger menschlicher Schachspieler verberge; bis zum heutigen Tage galt der Apparat als Schwindel. Bei der erneuten Untersuchung des Hohlraums, den der menschliche Gehilfe angeblich ausfüllte, fand man jedoch nun eine unauffällig angebrachte, leider beschädigte Notiz in deutscher Sprache, die Eveal zur Hypothese bringt, der Apparat habe möglicherweise sehr wohl funktioniert, die Mechanik sei aber irgendwann vor der ersten wissenschaftlichen Untersuchung 1838 ausgeplündert worden. Hier der kryptische Fund im Original:“

getürkt

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